Als das Reiserad erwachsen wurde

1985: Das allererste Randonneur von Koga Miyata
1985: Das allererste Randonneur von Koga Miyata

1985 brachte Koga Miyata erstmals ein modernes Reiserad auf den Markt. Die auffälligsten Neuerungen am "Randonneur" (franz. Wanderer) waren das Dreifachkettenblatt in Verbindung mit einem Longcage-Schaltwerk, die Cantilever-Bremsen, die Low-Rider-Ösen und ein leicht laufender Walzendynamo. Im Detail war natürlich noch viel mehr dran, was den "Randonneur" zu einer sehr erfrischenden, stimmigen Erscheinung machte. So mancher liebäugelte damit, aber 1995,- DM hatte man ja auch nicht mal eben so auf der Tasche.

1986 setzte Koga dann mit dem "Randonneur Extra" noch einen drauf. Beim "RX" waren jetzt schon die Low-Rider dabei, drei Trinkflaschen, Biopace-Kettenblätter, hochgesetzte Schalthebel, vierfach gekreuzte Speichen, Kevlar-Reifen, ein Sattel mit geschabtem Büffelleder, und und und... Das alles dann für schlappe 2495,- DM. Als der Fahrradhändler meines Vertrauens sein 25-jähriges Bestehen feierte und 10 % auf alles gab, schlug ich zu und schnappte mir eines dieser Schätzchen. Schon bei der Heimfahrt vom Händler war ich begeistert. Es ging über eine Kopfsteinpflasterstraße und da war dieses noch nie erlebte Gefühl, dass die Vordergabel spürbar federt und das Pflaster erträglich macht. Ja, dieses Reiserad spielte wirklich in einer neuen Liga!

Anschließend habe ich damit in fünf Jahren etwa 20.000 km zurückgelegt. Nur auf Radreisen. Als Alltagsrad hatte ich ein anderes, das mir in Berlin nicht so schnell geklaut würde. Auch voll beladen war das Fahrverhalten meines Randonneurs tadellos - und das mit einem 66er-Rahmen ohne weitere Verstrebungen! Die 18-Gang-Schaltung und die Cantilever-Bremsen erschienen mir kaum zu toppen (aus heutiger Sicht natürlich schon). Probleme hatte ich auf Dauer vor allem mit den Lagern. Sowohl die Naben wie auch das Tretlager waren mangels Fett irgendwann hin. War wahrscheinlich meine Schuld, da ich die nur unzureichend gedichteten Lager nie gewartet hatte und viele Regenfahrten die Lager ausgewaschen hatten. Auch die kevlarbewehrten Panaracer-Tourgard-Reifen ersparten mir das Reifenflicken nicht, den Walzendyamo musste ich dem Regengott opfern, und den Alu-Gepäckträger hat sich der Pistengott geholt. Alles andere war nicht kleinzukriegen, selbst die Biopace-Kettenblätter sind bis heute drauf.

In den Neunzigern bin ich dann aufs Mountainbike umgestiegen - und dabei geblieben.

Einmal im Jahr aber fahre ich mein "erstes richtiges Reiserad" spazieren. Es ist mittlerweile ziemlich retro, andererseits immer noch ein Feger.

Mit dem Koga "RX" 1988 an der türkischen Schwarzmeerküste
Mit dem Koga "RX" 1988 an der türkischen Schwarzmeerküste
Mein "RX" von 1986 im Prospekt (total unpraktisch war die Luftpumpe unterm Oberrohr, wenn man das Fahrrad umtragen musste)
Mein "RX" von 1986 im Prospekt (total unpraktisch war die Luftpumpe unterm Oberrohr, wenn man das Fahrrad umtragen musste)