SCHWARZafrika

Burkina Faso
Burkina Faso

Die pure Essenz

Weite, eher dünn besiedelte Landstriche südlich der Sahara üben eine große Faszination auf mich aus. Und auch wenn es nicht opportun ist, allein schon dieses Wort - SCHWARZafrika - könnte ich mir auf der Zunge zergehen lassen. Es hat für mich eine überaus positive Konnotation. Politisch korrekt wäre Subsahara-Afrika. Das löst bei mir aber keine Bilder im Kopf aus.

Doch es geht nicht, oder nicht nur, um Bilder und Abenteuer. Denn ich weiß nicht wieso, aber gerade hier, in den ÄRMSTEN LÄNDERN der Welt, habe ich Momente erlebt, die waren der pure Einklang mit allem. In der "Goldenen Stunde" kann der ganze Kontinent schon mal abheben. Das sind kollektive magische Momente, die das entbehrungsreiche Leben konterkarieren. Das begreifen in diesen Momenten sogar die Reisenden aus den reichen Ländern.

Und dann muss ich auch noch ein paar Takte zu diesen unglaublich schönen Menschen sagen, denen ich hier begegnet bin.

Nehmen wir nur Burkina Faso, dieses Sahel-Land, das auf keiner touristischen Landkarte auftaucht. Da muss etwas sein, was die Menschen in ihrer kargen Umgebung geradezu leuchten lässt. Noch der prekärsten Umgebung trotzen sie aufrecht und voller Würde. In bunten Kleidern sortieren sie den Abraum der wilden Goldminen, beugen sich mit dem Bündel auf dem Rücken (Kind) über lehmiges Pumpenwasser und schwenken die Goldwaschpfanne. Mit zärtlichem Lächeln bewässern junge Männer ihre Beete am Niger, werfen hoffnungsvoll ihr Fischernetz in einem Regentümpel aus, graben sich ins ausgetrocknete Flussbett, um an Wasser zu gelangen. Liebevoll zeigt eine Frau ihr Albino-Kind und lädt zum Fotografieren ein. An einem Wasserrad die afrikatypische Schlange von Frauen mit kleinen Kindern und gelben Kanistern. Immer mehr Mütter bitten, ein Foto von ihnen zu machen. Vor der Kamera verschmelzen sie geradezu mit ihrem Kind. Dieses Foto muss ihnen etwas bedeuten, aber sie wollen es nicht sehen.

Ich bewundere diese Menschen sehr. Und manchmal denke ich, ausgerechnet hier - in den ärmsten Ländern der Welt - bekomme ich eine leise Ahnung von dem, was den Menschen antreibt und was den Menschen ausmacht. Es ist schwer zu greifen, aber hier habe ich das Gefühl, dicht dran zu sein. Wahrscheinlich hatte Goethe völlig recht: Denken ist interessanter als wissen, aber nicht als anschauen. 

Schwarzafrika ist die pure Essenz.